Biowein: Viel Arbeit für einen guten Jahrgang 2014

Herbstaussichten der ECOVIN-Erzeuger in Baden – Das Wetter und die Kirschessigfliege halten die Biowinzer auf Trab

FREIBURG. Das wechselhafte und kühle Wetter der vergangenen Wochen und die Kirschessigfliege sorgten bei den ECOVIN-Erzeugern in Baden für einen erheblichen Mehraufwand bei der Lese. Jetzt zum Beginn der Hauptlese Mitte September schätzen die meisten ECOVIN-Winzer in Baden, dass sie mit erhöhtem Arbeitsaufwand sehr gute Qualitäten erzielen können und den mengenmäßigen Ausfall durch die Kirschessigfliege mit der überdurchschnittlich guten Vegetationsentwicklung ausgleichen können.

Einen Witterungsverlauf mit Extremen hat Paulin Köpfer in diesem Jahr beobachtet. Der Vorsitzende von ECOVIN Baden verweist auf einen vorangegangenen Winter ohne Frost, eine trockenen und heißen Juni, der dann von einem warm-feuchten Juli und einem kühl-feuchten August abgelöst wurde. „Der Pilzdruck in den Reben forderte das Geschick der Biowinzer”, berichtet Köpfer, denn: „Die Bio-Erzeuger dürfen keine chemisch-synthetischen Spritzmittel gegen Pilzbefall verwenden.”

Neue Herausforderungen brachte auch der Befall durch die aus dem Süden eingewanderte Kirschessigfliege mit sich: Wirksame Bio-Lösungen gäbe es kaum, so Köpfer, statt dessen gelte es, in mühsamer Handarbeit die befallenen Trauben auszulesen. Dazu kommt bei sensiblen Sorten wie den Burgunderreben eine Vorlese. Zufrieden sind die Biowinzer dagegen mit der guten Ertragslage nach zwei eher schwachen Jahren. Und in qualitativer Sicht sei das Potenzial für gute und sehr gute Qualitäten fast überall vorhanden. Der Entwicklungsstand liege deutlich vor dem langjährigen Mittel, die Zuckergehalte seien bereits auf recht hohem Niveau. Vor allem zeigen die Trauben geschmacklich gute Reife mit einer hervorragender Balance von Zucker, Fruchtsäuren und Aromen, so Köpfer. Dies bilde die Grundlage für saftige, fruchtige Weine mit attraktivem Aromaspektrum.

Mitte September begann bei den Ecovin-Mitgliedern die Weinlese und damit früher als im Durchschnitt der letzten Jahre, vorrangig in den klimatisch am meisten begünstigten Regionen wie dem Kaiserstuhl, Tuniberg und dem Breisgau. Frühe Rebsorten wie Müller Thurgau und Regent sind bereits weitgehend geerntet. Die in Baden flächenmässig dominierenden Burgundersorten werden in der nächsten Woche folgen. Spannend bleibt die Frage, ob und in welchem Umfang Spitzenqualitäten, Auslesen und Beerenauslesen gelesen werden können.

Im Markgräflerland zeigt sich der Gutedel nach Köpfers Worten nach zwei schwierigen Jahren jetzt mit gutem Ertrag, die Trauben sind schon jetzt im Qualitätsweinbereich und können problemlos weitere Wochen reifen. Gutes Potenzial zeigen auch die Burgundersorten: Die Basisanlagen versprechen einen guten Ertrag, Selektionsanlagen weisen schon jetzt hohe Reifegrade auf. „Der weitere Leseverlauf hängt von der Witterung in den nächsten zwei bis drei Wochen ab”, so der ECOVIN-Baden-Vorsitzende Paulin Köpfer, der Betriebsleiter im Heitersheimer Weingut Zähringer ist.

Am Kaiserstuhl war Thomas Schaffner in Bötzingen nach einem Hagel-Unwetter gezwungen, schon früher mit der Lese zu beginnen. Auch die Kirschessigfliege spielt hier eine wichtige Rolle: Drei Grundstücke hat der Biowinzer „verworfen”, die Trauben wegen des Befalls entsorgt. In anderen Grundstücken sorgt viel Handarbeit für hohe Qualitäten. „Wegen des überdurchschnittlichen Ertrags in diesem Jahr können wir großzügig selektionieren”, so Schaffner, der die Lage trotz des enormen Arbeitsaufwandes relativ entspannt sieht.

So bleiben – nach außergewöhnlich viel Sortierarbeit – ein eher „normaler” Ertrag und gute bis sehr gute Qualitäten. Aber es gibt auch viel Positives vom Kaiserstuhl zu berichten: „Unser Grauburgunder „alte Rebe” ist in diesem Jahr ein Gewinner”, freut sich Schaffner. Und auch beim Spätburgunder, dessen Lese erst später ansteht, sieht er – wie bei einigen anderen Sorten auch – 2014 „sehr viel Potenzial”.

In Nordbaden / Tauberfranken hat Christian Geyer Mitte September mit der Lese von Müller-Thurgau, Bacchus und Regent begonnen – ohne Zeitdruck und mit hohen Erwartungen: „Wir hatten in Nordbaden einen eher trockenen Sommer”, berichtet er. In der Folge gab es bei ihm keine Probleme mit Pilzbefall. Auch die Kirschessigfliege hat die Reben im nördlichen Landesteil wohl verschont: Keine einzige habe er in seinen Anlagen ausgemacht, berichtet er.

Auch auf die erst später zur Lese anstehenden Sorten freut sich der Biowinzer: „Weißburgunder und Johanniter sehen richtig gut aus“, erzählt er, „und der Schwarzriesling: wie gemalt”.

Badische Bio-Reben trotz des Wetters in Bestform

Optimismus nach dem kühlen und nassen Frühjahr – ECOVIN-Winzer in Baden rechnen mit gutem Jahrgang – keine Nachteile durch Witterung

FREIBURG. Auch wenn die Meldungen über die Folgen des kühlen und nassen Frühjahrs beim Verbraucher für Pessimismus sorgen: Die Biowinzer von ECOVIN Baden rechnen nach dem aktuellen Stand – im Gegensatz zu vielen anderen Erzeugern – mit guten Ergebnissen im Herbst. Weder die niedrigen Temperaturen noch die hohen Niederschläge hätten das Wachstum der Reben beeinträchtigt, so ergab eine Umfrage.

„Die Rebblüte unserer wichtigsten Sorten verlief zügig und ohne nennenswerte Störungen”. Das berichtet Paulin Köpfer, der Vorsitzende von ECOVIN Baden und Betriebsleiter im Heitersheimer Weingut Zähringer. Während die Erzeuger von Spargel oder Erdbeeren in diesem Jahr unter dem ungewöhnlichen Witterungsverlauf zu leiden hatten – auch finanziell – sehen die Biowinzer dem Herbst optimistisch entgegen.

Eine ungestörte und rasche Blütezeit, wie sie im Markgräflerland ab Mitte Juni verzeichnet wurde, sorgt für eine gute Entwicklung der Reben. Wird diese Phase durch Kälte unterbrochen, kommt es zu Verrieselung und Ertragsminderungen. Aber selbst diese sind für die ECOVIN-Mitgliedsbetriebe keine große Gefahr: Aus Qualitätsgründen wird beim Zurückschneiden der Reben sowieso die Menge reduziert. Die frühen Sorten, also alle Burgundersorten, brachten die Blüte zügig mit nur leichten Verrieselungen hinter sich, berichtet Köpfer. Etwas später folgten Sorten wie zum Beispiel der Gutedel, auch hier sind die Voraussetzungen gut.

Die Rebblüte ist für die Winzer einer der markantesten Punkte in der Vegetationsentwicklung: Zum einen entscheidet sich hier schon, was bei Qualität und Menge bis zum Herbst noch möglich ist. Zum anderen legt die 100-Tage-Regel für den Abstand zwischen Rebblüte und Lesebeginn schon ziemlich genau fest, wann die Lese im Herbst voraussichtlich beginnen wird. Das wird 2013 zwar voraussichtlich relativ spät sein, nämlich erst Anfang Oktober. Für die Winzer ist diese Verspätung um etwa 10 Tage gegenüber dem Durchschnitt jedoch kein Nachteil.

Nach einem „holprigen” Frühjahr, so Köpfer, habe man nun im Markgräflerland schöne Reb-Anlagen, denen auch die vielen Niederschläge nicht geschadet haben.

Auch Hubert Lay aus Ihringen am Kaiserstuhl berichtet über eine verspätete, aber zügige Blüte. In den steileren Lagen des Kaiserstuhl seien mancherorts wegen des Regens Teile von Hängen abgerutscht oder Stützmauern eingebrochen – aber das ist für die Winzer mit Steillagen nicht ungewöhnlich. Und beim Weingut Abril in Bischoffingen rechnet man mit einer Verzögerung im Vegetationszustand von etwa zwei Wochen. Der Gesundheitszustand der Reben sei sehr gut, die Verrieselung wird dort durchaus positiv für die zu erwartende Qualität gewertet.

Für den Breisgau berichtet Johannes Hügle aus Teningen-Heimbach ebenfalls von Verzögerungen im Vegetationsverlauf, aber: „Die Reben reagieren sofort auf Wärme. Deswegen haben sie vieles schon fast wieder aufgeholt.” Hügle, der auch als Berater für den Ökologischer Weinbau in anderen Landesteilen unterwegs ist, hat dort weitgehend dieselbe Entwicklung beobachtet, das reicht bis über die Ortenau nach Nordbaden: Verzögerte Entwicklung, aber guter Blüteverlauf und kaum Beeinträchtigungen.

Klaus Vorgrimmler in Munzingen am Tuniberg ist als einer der wenigen Bio-Erzeuger sowohl von den Auswirkungen beim Spargelanbau wie im Weinbau betroffen. Beim Spargelanbau und bei der Vermarktung seines Bio-Spargels fehlten ihm 10 bis 15 Tage, die auch nicht durch eine „Verlängerung” der Spargelsaison hereinzuholen waren: „Statt Mitte April wurde es bei uns Anfang Mai, bis wir den ersten Spargel verkaufen konnten”, berichtet er. Dafür war am 8. Juni schon wieder Schluss.

Seine Bio-Reben dagegen sieht er im optimalen Zustand, um ein gutes Ergebnis im Herbst zu erreichen: „Bei den Burgundersorten war der Austrieb zwar spät, aber die Blüte verlief zügig und ungestört bei warmer Witterung”. Zu erwarten sei eine eher verlängerte Vegetationsphase, was im Bio-Anbau aber durchaus von Vorteil sei: So können mehr Inhaltsstoffe eingelagert werden. Und auch ein späterer Lesetermin als in den Vorjahren hat für den Biowinzer Vorteile, zum Beispiel weil die Traubenmoste im Keller dann nicht gekühlt werden müssen.

Freilich birgt das für den Verbraucher so unerfreuliche Frühjahrs- und Sommerwetter mit vielen kühlen und nassen Tagen auch für die Biowinzer einige Herausforderungen: Die Infektionsgefahr für Pilzkrankheiten steigt mit zunehmender Feuchtigkeit in den warmen Monaten. Aber damit haben die ECOVIN-Mitgliedsbetriebe, die keine chemisch-synthetischen Spritz- und Düngemittel verwenden dürfen, bereits viel Erfahrung. Und diese Gefahr lässt sich durch Mehrarbeit oder auch durch den Einsatz von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten reduzieren.

Bildmaterial zum Download finden Sie hier: (komprimierte Datei, 6,7 MB)
https://www.ecovin-baden.de/pdf/130704_ecovin_pm_fotos.zip

Die Bilder stammen aus dem Weingut Kaufmann im Markgräflerland
Bioweingut Kaufmann

Biowinzer sind zufrieden mit Ertrag und Qualität

Nach dem Abschluss einer besonderen Weinlese 2011 in Baden: ECOVIN-Erzeuger freuen sich über einen guten Herbst bei perfektem Wetter

FREIBURG. „Überaus ungewöhnlich”, so bezeichnet Paulin Köpfer den Biowein-Jahrgang 2011 in Baden: Die Mengen liegen über dem langjährigen Durchschnitt und weit über dem vergleichsweise geringen Vorjahresergebnis, berichtet der Vorsitzende von ECOVIN Baden. Zudem lassen die Qualitäten keine Wünsche offen. Zwar habe der Witterungsverlauf fast überall den Arbeitsaufwand deutlich erhöht, doch durch die fast überall vorgenommene Vorlese und einem Herbstwetter, das keine Eile nötig machte, ernteten die Biowinzer vollreife und gesunde Trauben.

Nach einem ungewöhnlichem Witterungsverlauf folgte eine ungewöhnlich frühe Lese mit durchweg guten Ergebnissen – von lokalen Beeinträchtigungen durch Frost oder Hagel abgesehen. Vom Markgräflerland über Kaiserstuhl und Breisgau bis in den Kraichgau freuen sich die ECOVIN-Winzer auf gute Weine des Jahrgangs 2011, die ab dem Frühjahr (Weißweine) oder Spätsommer 2012 (Rotweine) in den Verkauf gelangen.

Im Markgräflerland begann die Lese schon am 25. August, berichtet Paulin Köpfer. Extreme Wetterwechsel und Trauben mit Sonnenbrand gestalteten die Lese aufwändig, berichtet er. Auch die gerade bei Burgundersorten aufgetretene Fäulnis machte viel Sorgfalt bei den Vorlesen nötig. Aber jetzt stimmen nicht nur Qualität und Menge im Markgräflerland, wie er berichtet: „Gerade bei unseren Weinen im Weingut Zähringer passen auch die relativ geringen Säurewerte ideal zum Charakter unserer Weine.” Gegenüber dem Vorjahr erntete man hier in Heitersheim fast 50 Prozent mehr und liegt damit noch immer rund 10 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt.

Der eher durchwachsene Sommer, wie ihn viele Verbraucher wahrgenommen hätten, spiele bei den Winzern keine so bedeutende Rolle, wie der prächtige Herbst: Die warme Hochdruckphase ab August bis in den Oktober erleichterte den Biowinzern nicht nur die Arbeit. Er „schenkte” ihnen mit jeder Woche vor der Lese auch weitere Oechslegrade ohne die Gefahr von Fäulnis und Verlusten.

Auch Richard Schmidt aus Eichstetten berichtet über den Kaiserstuhl von besten Bedingungen: Müller-Thurgau, Grau- und Weißburgunder hätten von der Witterung besonders profitiert. Glücklich ist der Biowinzer mit den Qualitäten, auch wenn man oft auf einen möglichen Ausbau von Spätleseweinen verzichtet habe: „Unsere Kundschaft schätzt vor allem gute Kabinettweine im mittleren Preissegment”, berichtet er. Erste Essigschäden seien durch kühlere Nächte rechtzeitig gebremst worden, durch arbeitsaufwändige Vorlesen erreichte man optimale Qualitäten.

Nach dem ersten Abstich zeigten sich seine Weine schon sehr reif, mit viel Frucht und ausgeglichen. Auch wenn die Säurewerte seien vergleichsweise niedrig sind, sieht Richard Schmidt keinen Handlungsbedarf: „Unsere Weine sind noch immer säurebetont”. Nach dem geringeren Ergebnis aus dem Vorjahr freut man sich hier über rund 20 Prozent Zuwachs und besonders auf die Qualitäten der Weißweine. Noch vor Weihnachten werden die ersten Weißweine gefüllt, da die Vorräte der kleineren Ernte 2010 bereits zur Neige gehen und Kunden nachfragen.

Im Breisgau, so berichtet Johannes Hügle vom Gallushof in Teningen-Heimbach, begann die Lese am 7. September, für den Breisgau immer noch sehr früh. Die Mengen seien mit einem Plus von etwa 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr sehr gut, die Qualitäten reichen bis in den Spitzenbereich. Die Bedingungen bei der Lese bezeichnet er als eher etwas zu warm, die Moste wurden gekühlt, damit sie nicht sofort vergären. Auch hier gab es in den ganz frühen Lagen Essigschäden, die aber durch Vorlesen ausgeglichen wurden.

Johannes Hügle, der neben der Arbeit im Weingut auch als Berater für den Ökoweinbau tätig ist, freut sich in diesem Jahr besonders auf anspruchsvolle Weißweine wie Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay. Auch bei ihm stimmen die Säurewerte noch und machen kein Eingreifen nötig.

Ein Wermutstropfen in einem ansonsten durchweg erfreulichen Herbstbericht taucht erst in Nordbaden auf: Ulrich Klumpp aus Bruchsal ist selbst zwar nicht betroffen, macht aber darauf aufmerksam, dass durch Frost- und Hagelschäden in Nordbaden, insbesondere Tauberfranken, bei einzelnen Kollegen teilweise Ernteausfälle von bis zu 100 Prozent auftreten.

In seinem Weingut im Kraichgau dagegen stimmen Qualität und Menge, die Lese 2011 betrachtet er als 100prozentig, nachdem 2010 die Menge um ein Drittel reduziert war. Auch hier machte Fäulnis in den Burgundersorten teilweise Vorlesen nötig, die dann aber qualitativ beste Ergebnisse hervorbrachte. Das schöne Herbstwetter genoss ein bestens aufgestelltes Leseteam, das nach ersten Vorlesen am 30 August ab 10. September voll im Einsatz war.

Er hat für den Jahrgang gleich zwei Favoriten und freut sich besonders auf den Auxerrois, der goldgelb und gesund geerntet werden konnte, und die Rotweinsorte St. Laurent, die schon jetzt eine tolle Frucht aufweise.