Bio-Weinlese 2016: Nur vorläufige Entwarnung

Erste Bilanz der badischen ECOVIN-Winzer 2016 fällt relativ gut aus – Nach extremer Witterung bleiben Forderungen der Bio-Winzer an die Politik

Freiburg. Nach den Katastrophenmeldungen der Biowinzer in diesem Sommer, hervorgerufen durch die anhaltende Nässe und eine rasche Ausbreitung der Pilzkrankheiten, brachten die warmen und trockenen Lese-Tage etwas Entspannung: Die Bioweinlese ist, was Qualität und Menge angeht, nicht so schlecht wie erwartet. Zurück bleiben dennoch verunsicherte Biowinzer, die sich von den Behörden allein gelassen fühlen.

„Was nach dem Sommer noch an den Rebstöcken hing, konnte sich zu gesunden und großen Trauben entwickeln”, freut sich Paulin Köpfer über die Kehrtwende. Nach der katastrophalen Ausbreitung der Pilzkrankheit falscher Mehltau (Peronospora) durch die zahlreichen Niederschläge gab es Ausfälle bis zu 100 Prozent in einzelnen Parzellen, berichtet der Vorsitzende des ECOVIN-Regionalverbands Baden. Das trockene und sonnige Herbstwetter sorgte dafür, dass die verbliebenen Trauben in ausreichender Menge und sehr guter Qualität gelesen werden konnten.

„Die Biowinzer haben häufig nicht mehr eine weitere Reifeentwicklung abgewartet”, berichtet Köpfer: Denn zu Beginn der Hauptlese Mitte September waren bereits relativ hohe Zuckergrade erreicht, auch die Säure und Relation der Inhaltsstoffe versprach bestens ausbalancierte Weine aus erfreulich gesunden Trauben. Dennoch sind die Winzer nicht zufrieden.

Was bleibt nach diesen turbulenten Wochen ist nicht nur ein mengenmäßiger Ausfall, der je nach Betrieb und Lage ganz unterschiedlich ausfällt. Es ist auch das Gefühl, von Behörden im Stich gelassen zu sein: Bewilligt wurde den ECOVIN-Winzern, die die freiwillige Verbandsregelung von drei Kilo Kupfer je Hektar anlässlich der besonderen Situation aufgegeben hatten, eine Obergrenze von „nur” vier Kilogramm. Die EU-Regelung sieht sechs Kilogramm vor, und diese Menge wird von den Kollegen in anderen Ländern auch ausgeschöpft.

Darüber hinaus wurde ein biologisch erprobtes und bewährtes Mittel, Kaliumphosphonat, für den Bio-Anbau wegen einer anderen Einstufung verboten: „Da haben wir zwar die Unterstützung einiger Politiker bekommen, die aber nichts ausrichten konnten”, beklagt Köpfer.

Zufrieden ist der badische ECOVIN-Vorsitzende, der auch Betriebsleiter in einem Markgräfler Weingut ist, mit der guten Zusammenarbeit in Krisenzeiten: „Es gab regelmäßige intensive Gespräche zwischen ECOVIN und Weinbau-Experten im Freiburger Weinbau-Institut”, berichtet er. Daraus hätten auch zahlreiche zeitnahe konkrete Empfehlungen resultiert, die aber angesichts der gesetzlichen Einschränkungen nur begrenzte Wirkung gehabt hätten.

„Die Gleichstellung innerhalb der EU mit der Zulassung von sechs Kilo Kupfer je Hektar wäre ein wichtiger Schritt gewesen”, meint Köpfer. Die Aberkennung des Bio-Status von Kaliumphosphonat stieß schlicht auf Unverständnis bei den Biowinzern. „So waren nicht nur alle badischen Regionen und Rebsorten betroffen, sondern alle deutschen Weinbaugebiete.” Und selbst die von den Bio-Winzern so geschätzten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten konnten in diesem Jahr dem Pilzdruck nicht standhalten und wurden, wenn sie nicht gespritzt wurden, ebenfalls von der Peronospora befallen.

„Das alles führte zu einer Existenzbedrohung der Biowinzer, zu einem schier nicht bewältigenden Arbeitsaufwand und einer großen nervlichen Belastung aller Beteiligten”, fasst Köpfer das Weinbaujahr zusammen.

Selbst die Bedrohung durch die sich weiter ausbreitende Kirschessigfliege schien demgegenüber fast nebensächlich. Die Aussortierung der befallenen Trauben war eine weitere Arbeitsbelastung, brachte aber dank dem Ausbleiben anderer Krankheiten wie Botrytis oder Wespenfraß gute Ergebnisse. Auch die relativ rasche und frühe Weinlese aufgrund der guten Reife-Entwicklung minderte mögliche Schäden durch die Kirschessigfliege und anderer Probleme.

„Im Durchschnitt konnten wir den Verlust von etwa 25 Prozent, den wir durch die Witterung bis Ende Juli verzeichnet haben, halten”, so Köpfer. Die verbliebenen Trauben wurden durch ausreichend Wasser im Boden gut versorgt. Gute Assimilationsbedingungen sorgten für rasche Beerenver-größerung und kompensierten so teilweise den zuvor erfolgten Ausfall.

Gut abgeschnitten haben nach Köpfers Worten vor allem die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, wenn die Biowinzer rechtzeitig gespritzt haben, und im Markgräflerland der Gutedel. Doch auch wenn Qualität und Menge jetzt besser ausfallen als erwartet, gelte für die Biowinzer nicht das Motto „Ende gut, alles gut”, betont Köpfer.

Er fordert konkret mehr Flexibilität beim Kupfereinsatz im Bioweinbau: Berufsständische Entscheidungen auch über die Verwendung von mehr als vier Kilo je Hektar müssten möglich sein. Köpfer sieht keinen Grund, warum nicht auch in Deutschland die Kupfer-Regelung der EU mit sechs Kilo je Hektar zugelassen sein sollte. Auch die Wiederzulassung von Phosphonaten stehe ganz oben im Forderungskatalog der Biowinzer.

Zuständig seien das Bundesamt für Verbraucherschutz (für die Kupfer-Problematik) und die EU-Kommission (für die Phosphonate) mit denen jetzt zeitnah Gespräche geführt werden: „Wenn bis 2017 die Phosphonate nicht zugelassen sind”, so Köpfers Prognose, „wird es zu einer massiven Abkehr vom Bioweinbau nach den EU-Standards kommen.”

Die Bio-Weinlese in Baden hat begonnen!

Bio-Weinlese in Baden

Bio-Weinlese in Baden

Endlich ist es so weit: Nach den spannenden Entwicklungen wegen der lang anhaltenden Niederschläge und der Sorge um die Verbreitung der Kirsch-Essig-Fliegen starteten jetzt auch die badischen Bio-Winzer in die diesjährige Weinlese. Bei den Bio-Winzer von ECOVIN Baden überwiegen die glücklicheren Gesichter, auch wenn in Einzelfällen durchaus Verluste zu verzeichnen sind.

Auch die badischen Rotwein-Trauben zeigen Reife

Dunkle Trauben sind das bevorzugte Ziel der Kirschessigfliege.

Dunkle Trauben sind das bevorzugte Ziel der Kirschessigfliege.

Die Biowinzer in Baden haben anstrengende Wochen und Monate hinter sich: Wegen der häufigen Niederschläge, die längere Trockenphasen nicht möglich machten, breitete sich der Falsche Mehltau (Peronospora) relativ schnell aus. Die Folge war, dass die umweltfreundlichen Spritzmittel der Biowinzer noch häufiger ausgebracht wurden als bisher.

Die nächste Sorge der Biowinzer galt der Kirschessigfliege, die vor allem dunkle, reife Beeren befällt. Aber hier scheint die Gefahr zumindest geringer zu sein als in den Vorjahren. Doch auch dieser Situation können die Biowinzer nur mit erhöhtem Aufwand begegnen.

Die Ratschläge der Fachleute, wie man der Ausbreitung der Kirschessigfliege am besten ohne den Einsatz von Spritzmitteln begegnet:

– Begrünung kurz halten
– Unterstock frei halten
- Entblätterung der Traubenzone bei gefährdeten Rebsorte
- Abhärtung der Trauben mit z.B. Wasserglas in der letzten Spritzung
- Schäden an den Beeren vermeiden
– rechtzeitig und vollständig ernten

Da die Kirschessigfliege vorrangig dunkle Beeren befällt und auch im Obstbau verbreitet ist, lautet ein weiterer Ratschlag, Pflanzen wie Brombeersträucher möglichst aus der Nähe der Weinberge zu entfernen.

„Das könnte 2015 große Weine geben…”

Herbstaussichten der badischen ECOVIN-Winzer 2015 – Ein außergewöhnlicher Sommer beschert den Biowinzern reife und gesunde Trauben

Freiburg. Der Sommer war außergewöhnlich, nicht nur für die ECOVIN-Winzer in Baden: heiß und trocken, zumindest ab dem Siebenschläfertermin 27. Juni. Paulin Köpfer, der Vorsitzende von ECOVIN Baden, ist kurz vor dem Beginn der Hauptlese am 14. September optimistisch, was den neuen Jahrgang betrifft. Die Trockenheit habe den Reben fast nirgendwo geschadet, Probleme mit Pilzkrankheiten oder der Kirschessigfliege gibt es ebenfalls nicht. Sein Fazit: Kein Jahrgang mit der großen Menge, dafür aber mit viel Potenzial für beste Qualität.

„Die Trauben hängen schön und sie sind gesund”, fasst Köpfer zusammen, was er auch von seinen Kollegen aus dem Markgräflerland, vom Kaiserstuhl und aus dem Breisgau erfahren hat. Nach der anhaltend guten Wetterlage sind die Reben dem durchschnittlichen Entwicklungsstand der vergangenen Jahre rund 14 Tage voraus. Doch je nach Standort, so berichtet Thomas Harteneck aus Schliengen, gebe es noch große Unterschiede hinsichtlich Ertrag und Reife. Ausschlaggebend dafür seien der Zustand der Anlagen und die Wasserversorgung.

Einen rund 25 Prozent geringeren Ertrag in diesem Jahr erwartet Rolf Mißbach in Ebringen: Die Trockenheit habe zu kleineren Beeren geführt. Das gilt generell für junge Anlagen und für Betriebe in Nordbaden. Wo nach langer Trockenheit Niederschläge auftraten, kam es stellenweise auch zum Aufplatzen der Beeren. Am Kaiserstuhl sorgte lokal begrenzter Hagel teilweise für geringere Erträge. Für ganz Baden gesehen aber, so Köpfer, halten sich die Beeinträchtigungen in sehr engen Grenzen.

Generell seien die Reifeunterschiede zwischen den einzelnen Rebsorten nach Köpfers Worten in diesem Jahr eher gering. Das bedeutet, dass mit Einsetzen der optimalen physiologischen Reife sehr zügig gelesen werden muss, weil viele Sorten fast gleichzeitig reif sein werden. Die ECOVIN-Mitglieder wollen das Aromapotenzial dieses besonderen Jahrgangs voll ausschöpfen und eine späte Lese vermeiden, damit die Alkoholwerte nicht wie 2003 über das normale Maß ansteigen.

Aus dem Breisgau berichtet Johannes Hügle von besten Aussichten für Rotweine: Die Durchfärbung sei bereits erreicht, die jetzt noch kommenden kühleren Tage können sich nur positiv auswirken. Fazit des Biowinzers und Weinbau-Beraters: „Das könnte in diesem Jahr ganz große Weine geben.” Diese Ansicht teilen auch seine Kollegen. Sie schwanken zwischen zurückhaltendem Optimismus (Mißbach: „Noch ist alles offen”) und Begeisterung (Thomas Harteneck: „Wir werden in diesem Jahr sowohl schlanke, fruchtige Weine als auch kräftige Weine mit großem Potenzial gewinnen können.”)

Im Moment haben die Biowinzer fast Wunschbedingungen, so Köpfer: „Kühl und sonnig und windig ist ideal, auch weitere Niederschläge sind kein Problem”. Schon jetzt seien die Trauben je nach Rebsorte außergewöhnlich reif. Den Lesebeginn für Müller-Thurgau und frühe Sorten erwartet er für den 7. September, den Beginn der Hauptlese für den 14. September. Dann sei das Geschick der Winzer gefragt, um das Möglichkeiten, die dieser außergewöhnliche Jahrgang biete, optimal auszureizen.

2016: Keine Kirschessigfliegen

Bislang sind offensichtlich keine Ei-Ablagen der Kirschessigfliege auf Weinbeeren in Baden bekannt. Dies teilt das Weinbauinstitut Freiburg mit und bestätigt damit, was auch etliche ECOVIN-Erzeuger aus Baden berichtet hatten. Eine Behandlung von Rebflächen ist damit nicht notwendig, was die Biowinzer – auch wenn hier nur biologische, zugelassene Mittel verwendet werden – besonders freut.

Kirschessigfliege auch im Südwesten

In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg scheint sie nun bereits angekommen, die Kirschessigfliege. Die aus Asien eingewanderte Drosophila suzukii befällt im Weinbau vor allem rote Rebsorten. Im Gegensatz zur hier heimischen kleinen Essigfliege kann sie auch reifende, noch gesunde Trauben angreifen. Die Biowinzer versuchen, durch verschiedene Maßnahmen einen eventuellen Befall einzugrenzen – wie immer ohne den Einsatz starker chemischer Keulen.

Experten meinen, auch ein Befall sei noch kein Grund zur Panik, massenhafte Ernteausfälle scheinen nicht anzustehen: Rotwein-Trinker und Biowein-Anhänger können also zumindest vorerst aufatmen. Als Vorsichtsmaßnahmen wird auch eine vorgezogene Lese empfohlen.