Beim 2. Öko-Aktionstag in Freiburg werden auch die Siegerweine vorgestellt

Plakat zum 2. Öko-Aktionstag in Freiburg am 16. Mai 2015

Plakat zum 2. Öko-Aktionstag in Freiburg am 16. Mai 2015

Bio- und Genussthemen im Fokus: Die Besten Bioweine Baden-Württemberg 2015

Eine Bühne für Bio-Produkte und Informationen bietet der zweite Öko-Aktionstag in Baden-Württemberg, der am 16. Mai 2015 von 10 bis 17 Uhr auf dem Freiburger Kartoffelmarkt stattfindet. Den Auftakt bilden die Begrüßung der Besucher durch Freiburgs Bürgermeisterin Gerda Stuchlik und dem Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Alexander Bonde, die zusammen die Besten Bioweine Baden-Württemberg 2015 auszeichnen werden.

Der Öko-Aktionstag fand im vergangenen Jahr erstmals in Stuttgart statt und stieß dort auf großes Interesse. Veranstaltet von der MBW (Marketinggesellschaft Baden-Württemberg) und den Verbänden des Öko-Landbaus rückt der Öko-Aktionstag Bio-Produkte in den Blickpunkt. 20 Teilnehmer aus Baden-Württemberg laden unter dem Motto „Bunte Vielfalt aus dem Südwesten mit allen Sinnen erleben“ zum Schmecken, Riechen, Erleben und Verweilen ein.

An 20 Ständen von Herstellern und Vermarktern ökologischer Lebensmittel sowie Verbänden und Einrichtungen rund um die Bühne gibt es Informationen über die Arbeit und Besonderheiten des Bio-Anbaus. Ziel der Veranstaltung ist die Information über den ökologischen Landbau in Baden-Württemberg und über das Bio-Zeichen Baden-Württemberg.

Natürlich kann man Bio-Produkte an diesem Tag auch genießerisch kennen lernen: Verköstigen können sich Besucher in Bio-Qualität mit Bratwurst, Bier, Wein, Limo oder Kaffee. Drei Mal wird Adelheid Andruschkewitsch vom Bioland-Restaurant Rose auf der Bühne leckere Bio-Gerichte kochen, mit denen die Gäste das Motto „Schmeck den Süden. Baden-Württemberg“ erleben und probieren können.

Auf einer Spielstraße haben Kinder die Gelegenheit, in die Rolle von Bio-Landwirtinnen und -Land-wirten zu schlüpfen. An den Mitmachstationen erfahren sie zum Beispiel, welches Bio-Getreide auf dem Acker wächst, wie Bio-Mehl gemahlen wird oder wie man eine Kuh melkt.

Mit zahlreichen Interviews von Ausstellerinnen und Ausstellern wird viel Wissenswertes über die Besonderheiten des Bio-Landbaus und die Vorzüge biologisch erzeugter Lebensmittel vermittelt. Für musikalische Unterhaltung sorgen die Musiker Anselm Nadj und Steffen Münster.

Einen besonderen Platz haben die Besten Bioweine Baden-Württemberg, die zum Auftakt vorgestellt werden: Rund 300 Bioweine aus etwa 50 Betrieben werden Anfang Mai durch eine unabhängige Fachjury prämiert. Paulin Köpfer, der Vorsitzende von ECOVIN Baden und Initiator der Verkostung, freut sich über die rege Beteiligung von Bio-Betrieben aus Baden und Württemberg – in der Weinszene eine bislang eher ungewöhnliche Kooperation, die Betriebe von ECOVIN, Bioland, Demeter und Naturland umfasst.

Prämiert werden die Weine nach ihrer Eignung als Begleiter zu den Speisen eines Menüs in fünf Kategorien plus einer Sonderkategorie für Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (Piwi-Weine). Zu erwarten sind junge, frische Weißweinen des Jahrgangs 2014, in dem der Gutedel, aber auch bei die Burgundersorten gute Qualitäten erreichten. Hinzu kommen Weine älterer Jahrgänge vor allem bei Rotweinen und Dessert-Weinen, sowie Sekte und Seccos.

Die Siegerweine können pauschal für fünf Euro Gebühr verkostet werden, andere Bioweine werden am Info-Zelt von ECOVIN Baden glasweise verkauft. Dort erhalten auch die Jungwinzer des Verbands die Möglichkeit, sich und ihre Bioweine vorzustellen.

Das Plakat zum 2. Öko-Aktionstag in Freiburg finden Sie hier als PDF:
http://www.ecovin-baden.de/pdf/Plakat_Oekoaktionstag_2015_kl.pdf

Fotos vom 1. Öko-Aktionstag in Stuttgart 2014 können Sie auf der ECOVIN-Baden Website herunterladen (54 MB)

Prämierte Bioweine verkosten am 16. Mai 2015

Die Besten Bioweine-Baden-Württemberg 2015 – In Freiburg werden die Siegerweine vorgestellt und: Aktionstag Öko-Landbau

Auf großes Interesse stößt in jedem Jahr die Vorstellung der Besten Bioweine Baden-Württemberg. Wenn die diesjährigen Siegerweine am 16. Mai in Freiburg vorgestellt werden, wollen die Mitglieder von ECOVIN Baden die Aufmerksamkeit nutzen, um sich, die nächste Generation junger Biowinzer und die erfolgreichsten Bioweine im Rahmen des Aktionstages Ökolandbau vorzustellen.

Verkostet werden die angestellten Bioweine zur Prämierung der Besten Bioweine Baden-Württemberg bereits Anfang Mai in Freiburg durch eine unabhängige Fachjury. Paulin Köpfer, der Vorsitzende von ECOVIN Baden und Initiator der Verkostung, rechnet wieder mit rund 300 Bioweinen von etwa 50 Betrieben aus Baden und Württemberg. Neben ECOVIN-Betrieben aus Baden und Württemberg werden auch wieder Bioland-, Demeter- und Naturland-Erzeuger ihre Weine anstellen.

Prämiert werden die Weine nach ihrer Eignung als Begleiter zu den Speisen eines Menüs, eingeteilt in fünf Kategorien vom Aperitif bis zum Dessert. Eine Sonderkategorie widmet sich wie stets den Weinen aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, den sogenannten Piwi-Weinen. Sie liegen den Bio-Erzeugern besonders am Herzen, denn der Anbau dieser Sorten kann besonders umweltschonend erfolgen.

Paulin Köpfer rechnet mit vielen jungen, frischen Weißweinen des Jahrgangs 2014, in dem erstmals auch das Auftreten der Kirschessigfliege eine Rolle gespielt hatte. „Die Kirschessigfliege”, so resümiert Köpfer „hat uns letztlich zwar stellenweise etwas geringere Mengen eingebracht. Die Qualität dieses Bio-Jahrgangs ist aber nicht beeinträchtigt.”

Zu den Gewinnern unter den besonderen Bedingungen des Jahrgangs 2014 gehört nach seiner Einschätzung sicher der Gutedel, aber auch bei den Burgundersorten konnten die badischen Öko-Erzeuger gute Qualitäten erzielen. Bei den Rotweinen werden viele gute, gereifte Qualitäten auch aus früheren Jahrgängen erwartet. Nicht fehlen werden auch Sekte und Seccos.

Vorgestellt werden die Siegerweine am 16. Mai. An diesem Samstag beteiligt sich ECOVIN Baden auch am Aktionstag Öko-Landbau in Freiburgs Stadtmitte. Von 10 bis 17 Uhr können dann Bioweine verkostet werden, zudem gibt es zahlreiche Informationen über die Arbeit und die Erfolge der Biowinzer und es werden die Sieger der Prämierung der Besten Bioweine Baden-Württemberg bekannt gegeben.

Mit den beiden kombinierten Veranstaltungen – der Vorstellung der Siegerweine und der Präsentation im Rahmen des Aktionstages Öko-Landbau – sollen die Verbraucher ein rundes Bild bekommen: sowohl von der Leistungsfähigkeit der Betriebe als auch von der Kontinuität und Fortsetzung der Arbeit der Biowinzer-Familien.

Positives Fazit zur ProWein 2015

Ein positives Fazit zur Teilnahme an der Messe ProWein 2015 ziehen ECOVIN Winzer und die ECOVIN Geschäftsstelle. 20 Winzerinnen und Winzern waren am Gemeinschaftsstand vertreten, 14 weitere ECOVIN Betriebe präsentierten sich an anderen Standorten auf der Weltleitmesse des Weines.

Vorgestellt wurde dort auch das ECOVIN Projekt *Öko.logisch schulen* sowie das ECOVIN Biodiversitätsprogramm. Ein weiterer Programmpunkt am ECOVIN Gemeinschaftsstand war die Veranstaltung von Geschäftsführer Ralph Dejas und ECOVIN Winzer Paulin Köpfer mit dem Titel „Nachhaltig grün gewaschen? ECOVINs Antworten auf die aktuellen Fragen in der Nachhaltigkeitsdiskussion.“ Ralph Dejas kritisierte: „Heutige neuartige Initiativen zum nachhaltigen Weinbau entstehen leider zu oft einfach nur als Antwort auf den Markt, weil Bio immer wichtiger wird. Hier muss aufgepasst werden, dass die gut gemeinten Ansätze nicht ins Greenwashing abgleiten, denn nur wer die rechtlichen Rahmenbedingungen des ökologischen Weinbaus erfüllt und diese auch kontrollieren und zertifizieren lässt, darf sich auch mit Öko-Themen profilieren.“

Das in den letzten drei Jahren gemeinsam mit Bodenseestiftung und Global Nature Fund entstandene ECOVIN Biodiversitätsprogramm, welches im Rahmen der Prowein offiziell vorgestellt wurde, bietet dem Winzer einen umfangreichen CSR-Check.

1. ECOVIN.Jungwinzertagung

40 Teilnehmerverzeichnete die 1. ECOVIN Jungwinzertagung auf der Schönburg am Mittelrhein. Wie der ECOVIN Bundesverband in einer Pressemitteilung weiter berichtet, nutzten die Winzerinnen und Winzer die Plattform für Diskussion und Austausch.

Die Experten von Simonit & Sirch informierten mit einem Workshop zum Sanften Rebschnitt als einem Ansatz zur langfristigen Gesunderhaltung der Rebe. Eine Einführung in die wesensgemäße Bienenhaltung gab Michael Weiler. Joris van der Kamp berichtete über das Future Farmers Network und die Grundlagen der Kompostierung. Außerdem veranschaulichten Junge Start-ups der Weinbranche, wie ihr Weg in eine erfolgreiche Gründung verlief und vermittelten ihre Leidenschaft für den Beruf. Mit dabei Katharina Lorenz und Robin Huse von der Agentur bube & dame und Jan Klein mit seinem Mate-Riesling Mixgetränk „Mari – Join the Lama“. Zudem machte Alexander Schreck von Wein-Plus deutlich, welchen Stellenwert das Internet in einer erfolgreichen Weinvermarktung einnimmt. In einer Podiumsdiskussion mit Mark Barth vom Wein- und Sektgut Barth und den Gründern von bube & dame wurde die Bedeutung der neuen Medien nochmals deutlich. Monika Reule vom Deutschen Weininstitut berichtete im Anschluss von den Möglichkeiten einer Teilnahme bei der Jungwinzervereinigung Generation Riesling.

Die Jungwinzertagung wurde gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft, BÖLN.

Neue Perspektiven im Bioweinbau

Die nächste Generation junger ECOVIN-Winzer – Viele junge Biowinzer starten jetzt gut ausgebildet im elterlichen Betrieb

Lange Zeit war das Thema junge Generation eher heikel: Sehen die Jungen überhaupt noch eine Perspektive im Bio-Anbau? Wird der Druck auf den Markt nicht zu groß und lässt sich noch rentabel wirtschaften? Bei ECOVIN Baden stehen zur Zeit etliche Betriebsübernahmen durch die junge Generation an. In einem Pressegespräch trafen zwei Generationen aktiver Biowinzer aus drei Familien aufeinander.  Das Fazit: Die jungen Biowinzer starten gut ausgebildet und mit viel Elan in den Bioweinbau. 

(Den ausführlichen Bericht mit Interview und Bildern finden Sie hier: http://www.ecovin-baden.de/2015/02/23/biowinzer-in-baden-die-nachste-ecovin-generation/)

Eine Liste mit ECOVIN-Betrieben, in denen zwei Generationen zusammen arbeiten oder eine Übergabe ansteht finden Sie hier.

Drei Winzerfamilien sind der Einladung zum Pressegespräch gefolgt. Sie dokumentierten drei unterschiedliche Wege, wie die nächste Generation die Arbeit der Eltern erfolgreich fortsetzen will. Richard Schmidt aus Eichstetten führte seinen Betrieb seit 1972. 1987 trat er aus der Winzergenossenschaft aus, stellte auf Bioanbau um und übergab 2013 schließlich das Weingut seinem Sohn Martin. Der hatte nach einer gründlichen Ausbildung in verschiedenen Betrieben schon das Weingut Kiefer in Eichstetten übernommen. Jetzt führt er zwei Betriebe, wobei der Vater noch immer mithilft.

Im Weingut von Günter Kaufmann in Efringen-Kirchen, der seit 1988 Bioweinbau betreibt,  ist es noch nicht ganz so weit, aber die Weichen sind gestellt: Sohn Florian wird einsteigen und absolviert derzeit die Ausbildung zum Weinbautechniker. Auch er hat schon immer im elterlichen Betrieb mitgeholfen und wächst jetzt in die Aufgaben der Betriebsführung hinein.

Hubert Lay startete 1987 im Betrieb seiner Eltern in Ihringen, heute arbeitet er bereits mit seinem Sohn zusammen. Die Betriebsübergabe wird noch eine Weile auf sich warten lassen, Zeit genug also für einen Übergang, in dem sich beiden Generationen mit ihren Vorstellungen in den Betrieb einbringen können.

Allen drei Familien gemeinsam ist, dass sie in den späten 80er Jahren Pionierarbeit leisteten, was die Entwicklung des Bio-Anbaus betrifft. Was heute oft nur am Rande gestreift wird: Damals war man in den badischen Weinbaudörfern mit dieser Einstellung ein Außenseiter. Richard Schmidt erinnert sich: „Im Dorf war es nicht einfach, der Biowinzer zu sein.” Ständig musste sich und den anderen beweisen, dass es nicht nur funktioniert, sondern dass man im Bioweinbau nicht nur gleich gute, sondern vielleicht bessere Weine erzeugen kann.

Dabei wusste noch keiner genau, wie es eigentlich geht: „Hauptthema für uns war der Pflanzenschutz ohne Chemie, wir waren ständig auf der Suche nach Tipps,” berichtet Günter Kaufmann. Die Strukturen von ECOVIN Baden und dem Beratungsdienst Ökologischer Weinbau waren erst in der Entstehung. Persönliche Kontakte und Ratgeber waren überlebenswichtig. Hubert Lay kann heute schmunzeln, wenn er erzählt, wie er in einem „einfachen” Jahr seinen Betrieb umgestellt hat: „Erst später haben wir erfahren, was alles schief gehen kann.”

Die älteren Biowinzer können sich auch gut erinnern, was es bedeutet, nicht nur ein kleines Weingut weiter umzustrukturieren, sondern gleichzeitig auch noch einen komplett neuen Kundenstamm aufzubauen. Können die jungen jetzt also einfach da weitermachen, wo die Eltern aufgehört haben? Mit einem soliden Kundenstamm und dem Erfahrungsschatz der letzten 30 Jahre aus dem Bioweinbau?

„Wir haben in den letzten Jahren oft Kunden verloren und neue hinzugewonnen, weil wir unser Angebot verändert haben: hin zu hochwertigeren Weinen oder auch zu mehr bio, mit Naturweinen , vegan, ohne Schwefel und Anreicherungen”, berichtet Christian Lay. Trotzdem sieht er in diesen Wechseln kein Handicap: „Ich werde immer mein privates Stück Reben haben, in dem ich Dinge ausprobieren kann”, meint er.

Den drei Jungwinzern kommt nicht nur die Erfahrung aus dem elterlichen Betrieb zugute: Sie alle setzen auf eine solide Ausbildung und auf Erfahrungen, die sie auch in anderen Betrieben gemacht haben. Dazu gehören auch konventionell arbeitende Betriebe oder Weingüter im Ausland. Florian Kaufmann berichtet aktuell aus seiner Ausbildung, dass hier auch der Bioanbau ein Thema sei. Die meisten Erfahrungen aber bekamen sie aus dem elterlichen Betrieb mit. Und dass man auch während der Ausbildung noch anecken kann, wenn man vehement für den Bioweinbau einsetzt, das bestätigt Christian Lay.

Vor der Zukunft ist den Jungen nicht bang: Sie wollen erreichen, dass bio künftig für gute Qualität steht, meint Florian Kaufmann. Und die Entwicklung im Bioweinbau ist heute nicht abgeschlossen: „Der Austausch untereinander ist heute nicht abgeschlossen”, meint er, er erfolge nur etwas anders, vielleicht auch mit Facebook und Whatsapp”.

Und Martin Schmidt meint: „Es gibt heute im Bioweinbau keine festgelegten Denkmuster, kein striktes Schema, an das man sich halten kann. Wir müssen flexibel bleiben und unsere Einstellung immer überprüfen. Die wirtschaftliche Situation ist heute nicht mehr das große Problem. Wir arbeiten auf immer höhere Qualitäten hin.”

Christian Lay will im Betrieb das Angebot weiter straffen und individualisieren – gleichzeitig aber auch künftig an privaten Projekten festhalten, durch die für ihn Terroir begreifbar wird.

Für Paulin Köpfer, den Vorsitzenden von ECOVIN Baden, ist klar, dass der Verband den Bioweinbau mit und für die junge Generation weiter entwickeln muss. Neben dem Erfahrungsaustausch und der Fort- und Weiterbildung sieht er einen Schwerpunkt in den rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Bioweinbau. Die Verbandsarbeit soll künftig noch intensiver über die Vorzüge des Bioanbaues zu informieren, um die junge Generation in der Vermarktung ihrer  Weine zu unterstützen.

Biowinzer in Baden: die nächste ECOVIN-Generation

Richard (li.) und Martin Schmidt [Download Foto 300 dpi | Download Foto 72 dpi]

Günter (li.) und Florian Kaufmann [Download Foto 300 dpi | Download Foto 72 dpi]

Hubert (li.) und Christian Lay [Download Foto 300 dpi | Download Foto 72 dpi]

[Interviewfassung lang]

Nach mehr als 30 Jahren Bioweinbau im Südwesten – Erfreulich viele junge Biowinzer sind bereit, die Betriebe der Eltern zu übernehmen

Generationenwechsel im Betrieb ist immer ein schwieriges Thema: Sind die Kinder überhaupt bereit, beruflich in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten? Oder orientieren sie sich an ganz anderen Berufen? Und speziell im Bioweinbau: Will die folgende Generation an „Bio” festhalten? Aktuell steht in etlichen ECOVIN-Betrieben ein Generationswechsel an. Wir haben Eltern und Kinder gefragt, was sie bewegt und motiviert.

Eine Liste mit ECOVIN-Betrieben, in denen zwei Generationen zusammen arbeiten oder eine Übergabe ansteht finden Sie hier.

Drei Winzerfamilien haben sich bereit erklärt, einen Einblick in die Betriebs- und Familiengeschichte zu gewähren. Drei Familien, in denen die Väter vor rund 30 Jahren – mit teilweise erheblichen Anstrengungen und vielen Risiken – zum Bioweinbau gewechselt sind. Und in denen die Söhne auch heute eine Zukunft für sich sehen.

Richard Schmidt aus Eichstetten am Kaiserstuhl ist einer der Bio-Pioniere. Schon sein Urgroßvater hat Wein zuhause ausgebaut. In den 50er Jahren arbeitete die Familie für die Winzergenossenschaft. 1972 übernahm Richard Schmidt den Betrieb, 1987 trat er aus der Genossenschaft aus und arbeitete als selbständiges Weingut.

Richard Schmidt: „Wir hatten drei Hektar Reben und haben im ersten Jahr noch die Trauben an die WG abgeliefert. Dann sind wir ausgestiegen und mussten von heute auf morgen ohne Kundenstamm unseren Wein vermarkten. Für mich standen nur zwei Dinge fest: Es müssen trockene Weine sein und wir arbeiten biologisch. Denn meine Frau hat damals nach der Arbeit im Weinberg immer einen Hautausschlag bekommen. Und wir wussten ja nicht, was in den Spritzmitteln alles drin ist.”

Das Basiswissen für den Ökoweinbau erhielt Richard Schmidt damals aus Büchern, aber auch von den ersten Wegbereitern wie Paulin Köpfer, dem heutigen Vorsitzenden von ECOVIN Baden, und von Matthias Wolff, der heute den Beratungsdienst Ökologischer Weinbau leitet. Hinzu kamen Fortbildungskurse in St. Ulrich, die es auch heute noch gibt. 1992 konnte dann der erste Wein verkauft werden, der auch offiziell als Biowein deklariert wurde.

Richard Schmidt: „Trotzdem die Gemeinde Eichstetten schon damals ein Vorreiter war für den Bioanbau, zum Beispiel beim Gemüse, waren die ersten Jahre hart. Auch im Dorf war es nicht einfach, der Biowinzer zu sein. Nach ein paar Jahren, als klar war, dass unsere Weine auch qualitativ gut sind, war es leichter, da waren wir anerkannt.”

Größtes Defizit damals: der nicht existierende Kundenstamm. Vermarktungsfragen erforderten viel Kraft und Zeit. Zugute kam höchstens, dass damals schon viele finanzstarke Kunden am Kaiserstuhl nach guten Weinen suchten. Größter Pluspunkt in diesen schweren Anfangsjahren: trotzdem man viel dazulernen musste, gab es keine Totalausfälle.

2013 übergab Richard Schmidt den inzwischen auf sieben Hektar angewachsenen Betrieb an seinen Martin.

Günter Kaufmann aus Efringen-Kirchen übernahm 1988 einen Teil des landwirtschaftlichen Betriebs, den seine Eltern 1960 ausgesiedelt hatten. Sein Bruder erhielt den Hof mit Äckern und Vieh, er selbst blieb mit zwei Hektar Weinbaufläche auf der alten Hofstelle im Ort. Erst nach ein bis zwei Jahren betrieb er das Weingut im Vollerwerb, 1990 stellte er eine Teilfläche auf den Bioanbau um, 1992 den ganzen Betrieb.

Günter Kaufmann: „Ich saß ja während der Arbeit auf dem Traktor immer im Spritznebel der Chemikalien, das machte mir schon Sorgen. Den ersten Kontakt zu Bio-Erzeugern hatten wir mit Philipp Isele am Kaiserstuhl, danach mit dem Beratungsdienst Ökologischer Weinbau. Hauptthema für uns war der Pflanzenschutz ohne Chemie, wir waren ständig auf der Suche nach Tipps.”

1998 wurde der Keller ausgebaut und Ferienwohnungen gebaut. Heute hat der Betrieb 7,5 Hektar. Der Sohn Florian bereitet sich derzeit mit seiner Ausbildung zum Weinbautechniker darauf vor, den Betrieb später zu übernehmen.

Hubert Lay in Ihringen am Kaiserstuhl hat 1987 den Betrieb mit 1,75 Hektar von seinen Eltern übernommen – in einer Zeit, als der nach seiner Erinnerung schon jeder zweite Kunde nach biologischem oder integriertem Anbau gefragt hat. Damals gab es im konventionellen Anbau massive Probleme mit Schädlingen, auf die mit Insektiziden reagiert wurde. In Freiburg erhielt er ein Info-Blatt zum Bioweinbau, später traf er den Bioweinbau-Pionier Wendelin Brugger.

Hubert Lay: „Unsere Kinder waren damals vier und zwei Jahre alt, ich wollte weg von den Spritzmitteln. Es war zuerst nur ein Versuch, und ich musste meiner Frau erst mal vermitteln, dass wir das jetzt anders machen. 1990 war das Jahr, in dem wir umgestellt haben. Es war – aus Sicht der Winzer – ein „einfaches” Jahr: es hat auf Anhieb alles geklappt. Erst später haben wir erfahren, was alles schief gehen kann. Es gab auch richtig heftige Jahre, aber wir sind immer schlimmstenfalls mit einem blauen Auge davon gekommen.”

Jetzt arbeitet die Familie seit 25 Jahren biologisch. Der Betrieb wurden durch die Hinzunahme von Flächen laufend vergrößert und umfasst heute fünf Hektar. Der Holzfasskeller wurde ausgebaut, Angebot und Kundenstamm wurden mehrfach umstrukturiert. Seit fünf Jahren werden die Weine als Naturwein ausgebaut, vegan, ohne Anreicherung und Schönungsmittel. Sohn Christian arbeitet bereits im Betrieb mit.

Martin Schmidt, wie sind sie zum Winzerberuf gekommen?

Martin Schmidt: Ich habe schon immer gerne im Betrieb mitgeholfen. Nach Realschule und Abi war klar, dass es eine Winzer.Ausbildung wird. Und bio musste es auch sein. Seit der Ausbildung arbeitete ich auch im Keller mit. Mein Vater hat mich alles ausprobieren lassen, ich durfte auch neue Sorten einführen und Piwis, Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, anbauen.

War von Anfang an klar, dass Sie auch den elterlichen Betrieb übernehmen?

Martin Schmidt: Ja. Ich habe während der Ausbildung in verschiedenen Betrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz gearbeitet. Danach war ich fünf Jahre lang im Weingut Kiefer in Eichstetten, bevor ich es als Inhaber übernommen habe. Seit eineinhalb Jahren habe ich auch den elterlichen Betrieb übernommen, mein Vater unterstützt mich in beiden Betrieben und betreut die Arbeit in den Reben auf insgesamt 25 Hektar.

Ist es ein Problem, einen konventionellen und einen Bio-Betrieb parallel zu führen?

Martin Schmidt: Nein, die Wachstumschancen sind bei beiden sehr gut. Mit Biophilosophie einen konventionellen Betrieb zu führen geht, andersrum ist es zum scheitern verurteilt. De Wachstumschancen sind bei beiden Betrieben sehr gut. Bio soll aber nur über Schmidt laufen.

Florian Kaufmann, wie bereiten Sie sich auf die Arbeit im elterlichen Betrieb vor?

Florian Kaufmann: Ich habe von Anfang an auch im Weingut mitgeholfen, jetzt mache ich die Ausbildung zum Weinbautechniker. 2009 habe ich mit der Ausbildung zum Winzer begonnen und war bei konventionellen als auch biologisch arbeitenden Betrieben.

Wird die biologische Arbeitsweise heute auch in der Ausbildung vermittelt?

Florian Kaufmann: Ja, das kommt ein Stück weit auch in der Ausbildung vor, dort ist man heute sehr offen für diese Themen. Die Ausrichtung auf Bioweinbau war für mich von Anfang an klar, 2015 werde ich mit der Ausbildung fertig sein.

Christian Lay, was gab bei Ihnen den Anstoß für den Einstieg in den Bioweinbau?

Christian Lay: Ich habe die Umstellung auf Bio-Anbau zuhause erlebt, als ich fünf Jahre alt war. Nach der Realschule habe ich die Lehre begonnen, das war für mich alternativlos. 2007 habe ich dann die Ausbildung zum Weinbautechniker begonnen. In beiden Ausbildungen habe ich mich immer für bio stark gemacht. Das hat zwar polarisiert, aber dazu stehe ich einfach.

Und auch der Einstieg in den elterlichen Betrieb stand nie in Frage?

Christian Lay: Nein. Ich bin 2013 hier eingestiegen und konnte von Anfang an auch meine eigenen Projekte machen. Im Betrieb wird es keine großen Änderungen geben, ich werde das Gelernte fortführen. Aber gleichzeitig habe ich viel Freiraum um auszuprobieren und noch weiter voranzukommen. Wir haben schon bisher unsere biologische Arbeit immer weiter verbessert und können heute auch schwefelfreie Weine erzeugen.

Wie sehen die jungen Winzer die Entwicklung des Bio-Weinbaus: Ist da nach rund 30 Jahren schon alles so weit entwickelt, dass der Anbau keine Probleme mehr macht und man sich nun auf andere Fragen konzentrieren kann?

Martin Schmidt: Ich glaube, es gibt heute im Bioweinbau keine festgelegten Denkmuster, kein striktes Schema, an das man sich halten kann. Wir müssen flexibel bleiben und unsere Einstellung immer überprüfen. Die wirtschaftliche Situation ist heute nicht mehr das große Problem. Wir arbeiten auf immer höhere Qualitäten hin.

Christian Lay: Schon das Auftreten der Kirschessigfliege in diesem Jahr hat gezeigt, dass wir immer wieder reagieren müssen und dass der Austausch untereinander sehr wichtig ist. Wir müssen heute nicht wie unsere Eltern ganz neue Methoden entwickeln, sondern es gibt viele kleine Stellschrauben, mit denen wir Einfluss für eine Optimierung gibt.

Martin Schmidt: Die größte Herausforderung sehe ich heute in der Bürokratie. Das Hauptmotiv unserer Eltern war, als freier Winzer zu arbeiten. Wir fühlen uns heute durch viele Vorschriften gegängelt.

Christian Lay: Wir können bei den biodynamischen Verfahren noch mitgestalten und versuchen, noch besser zu werden: Zum Beispiel auch, noch weniger Schwefel einzusetzen. Dagegen versuchen wir im Betrieb das Angebot eher zu straffe und wollen weniger Sorten anbieten.

Dann stehen also Vermarktungsfragen heute eher im Vordergrund als biologische Verfahren?

Hubert Lay: Die jungen Leute können haben die Bio-Verfahren schon verinnerlicht und können sich heute dafür viel besser mit Vermarktungsfragen auseinandersetzen. Bei uns war früher der Wein nach Weihnachten ausverkauft, mein Vater hat den Kunden den Wein quasi zugeteilt. Ich wollte das dann anders machen und wollte ein kontinuierliches und dauerhaftes Angebot. Aber bis in den 90er Jahren war der Wein dann auch schon wieder bis Mitte des Jahres ausverkauft und wir mussten den Rotwein kontingentieren.

Martin Schmidt: Wir planen heute viel langfristiger und dennoch können wir schneller auf den Markt reagieren, als das früher der Fall war. Und wir können mit unserer Bio-Qualität punkten, denn wir haben die besten und härtesten Kontrollen auf dem Markt, das ist auch ein großes Plus für den Verbraucher.

Welche Rolle hat dann noch der Verband und die Wissensvermittlung in Fortbildungen und durch den Beratungsdienst?

Florian Kaufmann: Der Austausch spielt heute noch immer eine große Rolle, nicht alles ist Routine. Auch wenn in der Ausbildung heute ebenfalls Grundlagen des Bio-Anbaus vermittelt werden. Wir müssen erreichen, dass der Begriff „Bio” für Qualität steht.

Martin Schmidt: Ich glaube, der Austausch ist heute sogar viel besser als früher. Er erfolgt nur eben anders. Die jüngeren halten auch über soziale Medien und das Internet leichter Kontakt. Es ist an uns, den Bioweinbau auch als Kulturgut zu vermitteln und auf die Folgen unserer Arbeit hinzuweisen.

Christian Lay: Bei den Begehungsrunden erfährt man anfangs sehr viel. Aber nach einiger Zeit ist doch das meiste bekannt. Das wird dann für die Neuen in der Runde wieder vermittelt. Aber das ist gut so: Man wächst langsam rein und profitiert von der Erfahrung der anderen. Mit diesem Wissen müssen wir uns im Betrieb ein Profil erarbeiten und verdeutlichen, dass Ökowein für Spitzenqualität steht.

Wo sehen sich die jungen Biowinzer in 10 Jahren? Und im Vergleich dazu: Wie haben sich ihre Eltern damals die Zukunft vorgestellt.

Martin Schmidt: Ich gehe davon aus, dass das ganz geordnet weiterläuft und sehe gute Entwicklungschancen. Potenzial gibt es genug und mein Ziel ist es, Zufriedenheit zu erreichen durch die Arbeit.

Richard Schmidt: Wir haben damals mit der Umstellung wirklich gute Entwicklungsmöglichkeiten gesehen. Und wir erhofften uns für die Zukunft damals auch eine bessere Anerkennung in der Gesellschaft für unsere Arbeit, und dass wir keine Außenseiterrolle mehr haben. Wir waren uns ja sicher: Der Bioweinbau ist der modernste Weinbau. Und waren immer Realisten, ohne missionarischen Eifer. Zurückblickend muss man sagen: Die Umstellung hat eine ganze Generation gedauert.

Florian Kaufmann: Ich sehe da auch eine sehr geradlinige Entwicklung vor mir. Und ich werde auch in Zukunft weiter daran arbeiten, immer mehr Erfahrungen zu sammeln.

Günter Kaufmann: Wir wollten damals eine Qualitätssteigerung und wir wollten den Weinbau voranbringen. Unser heutiger Vorsprung zeigt, dass uns das auch ganz gut gelungen ist. Mein Anliegen war es aber auch immer Winzer zu sein, draußen zu arbeiten, schöne Dinge zu bewahren und zu erleben. Und ein Stück Individualität zu bewahren.

Christian Lay: Das kann ich gerade von meinem Vorredner übernehmen. Ich habe ein eigenes, kleines Stück Reben, in dem alle Arbeiten von Hand mache. Das ist überschaubar, da wird Terroir begreifbar. Solche Projekte soll es immer neben der hauptsächlichen Arbeit geben bei mir. Im Betrieb möchte ich das Angebot weiter straffen und individualisieren, damit am Ende ein tolles Produkt rauskommt.

Hubert Lay: Seit der Umstellung war die Arbeit immer mit Steigerungen verbunden. Ziel war, mehr öko zu machen, viel auszuprobieren. Oder auf die biologische Arbeit bezogen ausgedrückt: immer mehr weniger machen.

Abschließend die Frage an den Vorsitzenden von ECOVIN Baden, Paulin Köpfer: Wie wird der Verband die junge Generation in die Zukunft begleiten?

Paulin Köpfer: ECOVIN möchte den Bioweinbau selbstverständlich noch weiter entwickeln – mit und für die junge Generation! In der Verbindung aus den langjährigen Erfahrungen der Elterngeneration und den Ideen und neuen kreativen Ansätzen der Jugend sehe ich wunderbare Chancen für die Zukunft. Als Verband wird ECOVIN so den Erfahrungsaustausch unter den Biowinzern, auch die Fort- und Weiterbildung unterstützen. Gleichzeitig gilt es die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Bioweinbau sicher zu stellen und wo möglich noch weiter zu verbessern. Nicht zuletzt haben wir durch gemeinsame Verbandsarbeit und Aktivitäten die Chance unsere Kunden und potentiellen Konsumenten noch intensiver über die Vorzüge des Bioanbaues zu informieren und die junge Generation in der Vermarktung ihrer Weine zu unterstützen.

Termine 2015: Auch 2015 ist für Biowinzer ein Jahr der Kooperationen

Veranstaltungen des ECOVIN-Regionalverbands Baden und seiner Partner

Für dieses Jahr haben die Biowinzer in Baden wieder ein Paket von Veranstaltungen geschnürt, das für Verbraucher und Fachleute, aber auch für Medienvertreter und interessierte Winzerkollegen im Wesentlichen wieder zwei Dinge vermittelt: Genuss und Information.

Dabei verfolgen die Bio-Erzeuger auch weiterhin den Weg, den sie in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben: Initiative ergreifen, Ideen umsetzen und die Zusammenarbeit suchen, wo sie beiden Seiten Vorteile bietet. So hat sich auch die Kooperation der Biowinzer in Baden-Württemberg bei der Prämierung der „Besten Bioweine Baden-Württemberg” bewährt. In diesem Jahr folgt nach der „großen” Präsentation der Siegerweine von 2014 turnusmäßig wieder eine Vorstellung im kleineren Rahmen am 16. Mai in Freiburg.

Dieser Höhepunkt im Veranstaltungsjahr der baden-württembergischen Biowinzer wird in Baden begleitet von dem bewährten Mix aus Publikumsveranstaltungen, der Teilnahme an Fachmessen und den selbst angebotenen Fortbildungen und Seminaren, die es nun seit mehr als 25 Jahren für alle interessierten Winzer gibt.

Die Termine 2015 im Überblick:

Am 16. Mai werden in Freiburg unter dem Motto „Baden trifft Württemberg” die Besten Bioweine Baden-Württemberg 2015, vorgestellt, die wieder landes- und verbandsübergreifend prämiert werden: Bio-Betriebe von Ecovin und Demeter, Bioland und Naturland können sich hier beteiligen. Die Ergebnisse sind ab dem 16. Mai auch auf der Website http://www.biobest-suedwest.de verfügbar.

Unabdingbar ist für die ECOVIN-Winzer aus Baden auch die Präsenz auf den beiden großen deutschen Messen für Bio-Lebensmittel und Wein. Sie präsentieren sich überregional der Fachwelt auf der BioFach in Nürnberg (11. bis 14. Februar: Weingut Zähringer in Halle 7/7-408 aus Heitersheim ) und auf der ProWein in Düsseldorf (15. bis 17. März, Halle 13: Haltinger Winzer, D110/E110, Klumpp, Bruchsal, Stand C80/C90, Badischer Winzerkeller, Breisach, Stand A100, Weingut Abril, Vogtsburg-Bischoffingen, Stand C80/C90, Bioweingut Rieger, Buggingen-Betberg, Stand 117, Weingut Richard Schmidt, Eichstetten, Stand B110, Weingut Zähringer, Heitersheim, Stand C80/C90 sind für den Regionalverband vertreten.

Ebenfalls das Fachpublikum im Blick haben die Fortbildungen für Winzer, an denen aber auch Interessierte ohne Weinbaubetrieb teilnehmen. Seit mehr als 25 Jahren wird ein jährlicher Einführungskurs für den ökologischen Weinbau angeboten, der stets ausgebucht ist. Das jährliche Fachseminar Bioweinbau und Qualität findet vom 2. bis 4. März ebenfalls im Bildungshaus Kloster St. Ulrich statt. Beide Veranstaltungen integrieren seit einigen Jahren auch Themen des biodynamischen Anbaus. Der Weinbaufachtag am 17. Juli richtet sich dagegen ausschließlich an ECOVIN-Mitglieder.

In Baden schließlich präsentieren sich die badschen ECOVIN-Winzer schon traditionell beim Müllheimer Weinmarkt (24. April), der Badischen Weinmesse in Offenburg (9. und 10. Mai) und der Plaza Culinaria (6. bis 8. November in Freiburg) und stellen dort ihre Bioweine auch den Verbrauchern vor.

Termine 2015:
11. – 14. Februar 2015: BIO-FACH-Messe, Nürnberg
2. – 4. März 2015: Fachseminar Bioweinbau und Qualität, St.Ulrich
15. – 17. März 2015: PRO WEIN, Düsseldorf
24. April 2015: Müllheimer Weinmarkt
9. und 10. Mai 2015: Badische Weinmesse, Offenburg
16. Mai 2015: Vorstellung der Besten Bioweine Baden-Württemberg im Rahmen des Aktionstages Öko-Landbau Baden-Württemberg auf dem Freiburger Kartoffelmarkt
17. Juli 2015: Weinbaufachtag
6. – 8. November 2015: Plaza Culinaria, Messe Freiburg

Was ist drin in den Bioweinen?

Verbraucherinformation nach den Änderungen der EU-Lebensmittel-Informationsverordnung – Weintrinker werden noch ausführlicher informiert über Zusatzstoffe im Wein

FREIBURG. Mit den jüngsten Änderungen der EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) müssen auch bei Bioweinen noch umfangreichere Angaben gemacht werden über Zusatzstoffe und Allergene. Ab dem 13. Dezember 2014 sind davon auch die Online-Shops der Bio-Weingüter betroffen. Was verbirgt sich hinter den Angaben, was und wie viel ist drin in den Bioweinen und kann man darauf auch verzichten?

Damit der Verbraucher mehr Klarheit über die Inhaltsstoffe und Beschaffenheit beim Kauf seiner Lebensmittel bekommt, müssen die Angaben auch beim Wein jetzt ergänzt werden. Viele Informationen sind auf Etiketten und im Online-Shop oft jetzt schon enthalten, zum Beispiel die Netto-Füllmenge, der Alkoholgehalt etc. Ab dem 13.12.2014 kommen dazu noch Angaben zu Allergenen, die vielen Verbrauchern besonders am Herzen liegen.

Paulin Köpfer, der Vorsitzende von ECOVIN Baden und Betriebsleiter im Weingut Zähringer, nennt vier Allergene, die im Wein enthalten sein können. Das sind drei verschiedene Eiweißarten, die aus Milch, Ei oder Fisch gewonnen werden, aber nur theoretisch zum Einsatz kommen: Auch bei den Öko-Anbauverbänden sind keine Weingüter bekannt, die diese Stoffe deklarieren. Ein viertes mögliches Allergen im Wein ist Schwefel. Auf dem Etikett müssen alle Substanzen bereits seit zwei Jahren deklariert werden.

Milcheiweiß Kasein zum Beispiel kann beim Ausbau der Bioweine verwendet werden, um die Gerbstoffe geschmacklich „abzurunden”. „Wenn von der Lese bis zur die Weinbereitung äußerst schonend vorgegangen wird, kann man darauf verzichten”, berichtet Paulin Köpfer, so dass die Kennzeichnung der Weine mit dem Zusatz „enthält Milch” tatsächlich fast nirgends mehr anzutreffen ist.

Ähnliches gilt für den Eiweißstoff Albumin, das zur Klärung der Weine verwendet wird: Nach Zugabe flocken die Trubstoffe aus und setzen sich am Boden ab, der Wein wird klarer. Alternative sind pflanzlichen Produkte, so dass Kennzeichnung mit dem Zusatz „enthält Ei” ebenfalls kaum vorkommt.

Erst recht gilt das für Eiweiß, das aus Fisch gewonnen wird, und schon seit einiger Zeit nicht mehr eingesetzt werden: Die Bezeichnung „enthält Fisch” wirkte gar zu abschreckend auf Winzer. Die Hausenblase ist die getrocknete Schwimmblase einer Störart und findet bei Biowinzern nach Köpfers Darstellung heute keine Verwendung mehr.

Für alle diese Stoffe gilt, dass man sie durch nicht allergene Stoffen ersetzen kann oder durch das planvolle Vorgehen der Winzer von der Lese bis zur Kellerwirtschaft. Die stetig wachsende Anzahl veganer Weine belegt, dass viele Winzer diesen Weg schon erfolgreich beschritten haben. Neben den tierischen Eiweißen wird bei veganen Weinen auch auf Gelatine verzichtet, die ebenfalls zur Klärung der Weine eingesetzt wird, aber gut durch pflanzliche Proteine ersetzt werden kann.

Wesentlich schwieriger ist es, auf Sulfite zu verzichten: Ihr Gehalt liegt bei Bioweinen 30 Prozent unter den gesetzlichen Vorgaben und der absolute Gehalt schwankt je nach Rebsorte und Qualitätsstufe. Generell gilt: Je mehr Restzucker ein Wein hat, desto mehr Schwefel muss zugesetzt werden.

Sulfite haben drei Wirkungen: Sie binden Gärungsprodukte ab, sie wirken konservierend und sie bilden einen Oxidationsschutz: Geschmack, Farbe und Aroma bleiben also länger erhalten, der Wein verliert weniger von seiner Frische.

Und auch hier gibt es bereits Bio-Winzer, die durch schonende Verfahren ganz auf Sulfite verzichten können. Allerdings werden dadurch die Lagerfähigkeit und einige Geschmackseigenschaften der Weine eingeschränkt, so Köpfer. Und: Ganz schwefelfrei seien auch diese Weine nicht, denn bei der Gärung entstehe ebenfalls Schwefel, wenn auch deutlich weniger, als normalerweise zugesetzt wird.

Der Zusatz „enthält Sulfite” wird also voraussichtlich weiterhin bei den meisten Weinen auf Etikette, in Online-Shops aber auch in der Gastronomie zu finden sein.

Hinzu kommen im Internet ab dem 13. Dezember Angaben zum Ursprungsland und die Nennung des Erzeugers. Eine Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums ist bei Getränken mit einem Alkoholgehalt über 10 % Alkoholvolumen dagegen nicht nötig, wohl aber für alkoholfreie Weine und für Säfte.

Bestandteil der oben genannten EU-Verordnung Nr. 1169/2011 ist auch die Nährwertdeklaration für Wein, sie soll ab 13. Dezember 2016 kommen. Dann sollen Verbraucher auch erfahren, wie viel Fett, Eiweiß und Kohlehydrate ein Wein enthält. Paulin Köpfer befürchtet, dass die Welle von Verordnungen zum Schutz des Verbrauchers spätestens dann aber im Bereich Weinbau kontraproduktiv würde und die bäuerlichen Erzeuger belastet, ohne dass für den Verbraucher ein echter Vorteil entsteht.

Rückblick Herbst 2014

Die Biowinzer in Baden sind nach Auskunft von Paulin Köpfer sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Lese 2014. Der Vorsitzende des ECOVIN-Regionalverbands Baden bilanzierte jetzt, dass der Herbst 2014 den Biowinzern sehr viel Aufwand und Arbeit bescherte: Der Witterungsverlauf, beginnende Fäulnis und auch die Kirschessigfliege führten zu erhöhten Belastungen. Andererseits konnten die Biowinzer in Baden nach zwei schwachen Jahren jetzt wieder einen guten Ertrag verzeichnen: „Die Keller sind gefüllt”, berichtet Köpfer, „und die Ergebnisse sind gut.”

Verbraucher können sich nach der Abfüllung der ersten 2014er-Weine auf sehr fruchtige, gut balancierte Weine freuen. Spitzenqualitäten wie Auslesen sind seltener als in anderen Jahrgängen, Bio-Weine für den täglichen Bedarf dagegen gebe es in guter Qualität und ausreichender Menge.

Gutes Potential für ausgezeichnete Qualitäten

ECOVIN Winzer Paulin Köpfer fasst die Weinlese in Baden wie folgt zusammen: „Die badischen Biowinzer sind insgesamt sehr glücklich über die gute Ertragslage, die dazu beitragen kann, die nach den letzten zwei, eher schwachen Jahrgängen leeren Keller zu füllen.

Gleichzeitig hat der Jahrgang gutes Potential für ausgezeichnete Qualitäten. Der Entwicklungsstand lag im September deutlich vor dem langjährigen Mittel, die Zuckergehalte bereits auf recht hohem Niveau.

Vor allem zeigen die Trauben geschmacklich gute Reife mit hervorragender Balance von Zucker, Fruchtsäuren und Aromen. Grundlage für saftige, fruchtige Weine mit attraktivem Aromaspektrum.

Bereits Mitte September begann bei den ECOVIN Mitgliedern die Weinlese, damit früher als im Schnitt, vorrangig in den klimatisch am meisten begünstigten Regionen wie dem Kaiserstuhl, Tuniberg und dem Breisgau, zeitlich einige Tage verzögert im Markgräflerland und den nordbadischen Bezirken.

Die frühen Rebsorten wie Müller Thurgau und Regent zeigten zu diesem Zeitpunkt bereits eine gute Reife. Die in Baden flächenmässig dominierenden Burgundersorten wurden unmittelbar darauf geerntet.“